15 Jahre IAGOS an Bord: Wie ein Lufthansa A340 auf Flug LH405 zum fliegenden Klimalabor wird
Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste auf einen Blick
Seit dem 8. Juli 2011 sammelt der Lufthansa Airbus A340-300 mit der Kennung D-AIGT und dem Taufnamen Viersen atmosphärische Messdaten für das europäische Forschungsprogramm IAGOS. Das 15-jährige Jubiläum fällt auf den Flug LH405 von New York nach Frankfurt in der Nacht vom 7. auf den 8. Juli 2026. Aktuell tragen drei Langstreckenjets der Lufthansa Group das IAGOS-System: die Viersen bei Lufthansa sowie D-AIKO und D-AIKE, beides Airbus A330-300, bei Discover Airlines. Rund 400 Organisationen weltweit nutzen die frei verfügbaren Daten zur Präzisierung von Klimamodellen und Wettervorhersagen. Inklusive des Vorgängerprogramms MOZAIC (1994 bis 2014) kommt die Gruppe auf über 37.500 Messflüge und mehr als 30 Jahre Atmosphärenforschung im Linienbetrieb. Weltweit sind zehn Flugzeuge bei acht Airlines mit IAGOS ausgestattet.
15 Jahre IAGOS: Die Viersen hebt zum Jubiläumsflug ab
Wenn ein Langstreckenjet nachts von New York nach Frankfurt fliegt, denkst du normalerweise an Kabinenlicht, Bordservice und den Sonnenaufgang irgendwo über Irland. In diesem einen Fall passiert an Bord aber deutlich mehr. Der Lufthansa Airbus A340-300 mit der Kennung D-AIGT und dem Taufnamen Viersen bringt in der Nacht vom 7. auf den 8. Juli 2026 als Flug LH405 nicht nur Passagiere nach Frankfurt, sondern schließt auf den Tag genau 15 Jahre kontinuierliche Klimaforschung im Reiseflug ab. ✈
Der Anfang dieser Geschichte liegt am 8. Juli 2011. Damals hob die Viersen erstmals nicht nur mit Fluggästen ab, sondern zusätzlich mit einem festinstallierten Messsystem des Forschungsprogramms IAGOS an Bord. Die erste Route führte von Frankfurt nach Lagos in Nigeria. Lufthansa startete das Vorhaben gemeinsam mit dem Forschungszentrum Jülich und war damit die weltweit erste Fluggesellschaft, die eine solche Langzeitbeobachtung der Erdatmosphäre im regulären Linienbetrieb aufgenommen hat.
IAGOS steht für In-service Aircraft for a Global Observing System, also für ein Beobachtungssystem, das im Dienst befindliche Passagierflugzeuge als Messplattform nutzt. Genau darin liegt der Reiz: Die Daten entstehen in 9 bis 13 Kilometern Reiseflughöhe, exakt in jener Atmosphärenschicht, in der sich Prozesse abspielen, die den Strahlungshaushalt der Erde und damit das Klima direkt beeinflussen. Der Taufname Viersen erinnert an die niederrheinische Stadt und macht aus einem nüchternen Rumpfnummern-Airbus einen wiedererkennbaren Botschafter dieser stillen Forschungsarbeit.
Von einem auf drei: Der Aufbau der IAGOS-Flotte in der Lufthansa Group
Was 2011 mit einem einzelnen Flugzeug begann, ist inzwischen ein kleiner Verbund. Im Februar 2015 kam als zweites IAGOS-Flugzeug ein Airbus A330-300 mit der Kennung D-AIKO dazu, der heute für Discover Airlines im Einsatz ist. Im November 2022 folgte mit der D-AIKE ein weiterer A330-300, ebenfalls in der Flotte von Discover Airlines. Damit erfassen täglich bis zu drei Langstreckenjets der Lufthansa Group atmosphärische Daten, verteilt über Flugrouten rund um den Globus.
Der eigentliche Trick: Alle drei Flugzeuge fliegen ganz normal im Passagierbetrieb. Du merkst als Fluggast nichts vom Forschungseinsatz. Das Messsystem sitzt kompakt unterhalb des Cockpits, zwei Sonden im Rumpf leiten Außenluft zu den Geräten, und die Klimamessung läuft als vollautomatischer Parallelprozess neben dem eigentlichen Flugbetrieb. Discover Airlines, die Ferienflug-Tochter der Gruppe, trägt damit zwei Drittel der aktuellen IAGOS-Flotte des Konzerns.
- D-AIGT (Lufthansa, Airbus A340-300, Taufname Viersen): IAGOS aktiv seit 8. Juli 2011
- D-AIKO (Discover Airlines, Airbus A330-300): IAGOS aktiv seit Februar 2015
- D-AIKE (Discover Airlines, Airbus A330-300): IAGOS aktiv seit November 2022
| Kennung | Flugzeugtyp | Betreiber | IAGOS aktiv seit | Taufname |
|---|---|---|---|---|
| D-AIGT | Airbus A340-300 | Lufthansa | 8. Juli 2011 | Viersen |
| D-AIKO | Airbus A330-300 | Discover Airlines | Februar 2015 | ohne |
| D-AIKE | Airbus A330-300 | Discover Airlines | November 2022 | ohne |
Die Übersicht zeigt: Die Lufthansa Group setzt für IAGOS bewusst auf große Langstreckenmuster, weil deren globale Routennetze eine besonders breite geografische Abdeckung liefern.
30 Jahre Atmosphärenforschung: MOZAIC als Wegbereiter von IAGOS
Das 15-jährige IAGOS-Jubiläum ist eigentlich die zweite Etappe einer viel längeren Geschichte. Bereits 1994 startete das Vorgängerprogramm mit dem sperrigen Namen MOZAIC. Die Abkürzung steht für Measurement of Ozone, Water Vapour, Carbon Monoxide and Nitrogen Oxides by Airbus In-Service Aircraft. Zwei Lufthansa A340-300 waren mit dem MOZAIC-Messsystem ausgestattet und lieferten von 1994 bis 2014 systematisch Werte aus dem Reiseflug.
Rechnet man MOZAIC und IAGOS zusammen, kommt die Lufthansa Group seit 1994 auf mehr als 37.500 Messflüge. Aus diesem kontinuierlichen Strom ist einer der weltweit umfangreichsten Datensätze zum Ozon- und Wasserdampfgehalt der Atmosphäre entstanden. Damit unterstützt der Konzern die Atmosphären- und Klimaforschung seit über 30 Jahren, was in einer Branche mit rasanten technologischen Zyklen eine bemerkenswert lange Konstante ist.
Warum das wichtig ist? Kurzfristige Wetter- und Atmosphärenschwankungen lassen sich erst dann von echten strukturellen Trends unterscheiden, wenn man Messreihen über viele Jahre, besser Jahrzehnte, in der Hand hat. MOZAIC hat diese Basis gelegt, IAGOS setzt sie fort. Für Klimamodelle ist genau diese Langzeittiefe Gold wert.
Wie IAGOS funktioniert: Messflüge im regulären Linienbetrieb

Technisch ist IAGOS erstaunlich unspektakulär, gerade das macht das System skalierbar. Unterhalb des Cockpits sitzt eine kompakte Messeinheit, in den Rumpf sind zwei Sonden eingelassen, die im Flug kontinuierlich Außenluft ansaugen und zu den Geräten leiten. Dort werden atmosphärische Parameter wie Ozon- und Wasserdampfgehalt in 9 bis 13 Kilometern Höhe kontinuierlich erfasst.
Nach jeder Landung übertragen die Systeme ihre Rohdaten vollautomatisch an die zentrale Datenbank des CNRS, des Centre National de la Recherche Scientifique, in Toulouse. Das CNRS ist neben dem Forschungszentrum Jülich einer der wichtigsten Partner im IAGOS-Verbund. Von dort aus stehen die Daten der weltweiten Forschung frei zur Verfügung. Rund 400 Organisationen greifen regelmäßig darauf zu, um langfristige Veränderungen der Atmosphäre zu dokumentieren, Klimamodelle zu präzisieren und Wettervorhersagen zu verbessern.
Koordiniert wird IAGOS vom Forschungszentrum Jülich, gefördert vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR). Und das Programm zählt zu den zentralen Säulen des globalen flugzeuggestützten Beobachtungssystems der Weltorganisation für Meteorologie (WMO). Für dich als Fluggast heißt das: Die Boeing- und Airbus-Muster, die dich in den Urlaub bringen, sind längst Teil einer sehr großen wissenschaftlichen Infrastruktur, ohne dass an Bord irgendetwas anders aussieht.
IAGOS weltweit: Zehn Flugzeuge, acht Airlines, ein globales Netz
IAGOS ist kein rein deutsches Projekt, sondern ein multinationales Netzwerk. Aktuell sind weltweit zehn Flugzeuge bei acht Fluggesellschaften mit dem Messsystem ausgestattet. Drei dieser zehn Maschinen fliegen für die Lufthansa Group. Das entspricht 30 Prozent der weltweiten IAGOS-Flotte und macht den Konzern nicht nur zum Pionier, sondern auch zu einem der größten Einzelbeitragenden des Programms. 🌍
Hinter dem Ganzen steht ein Verbund, der Forschung, Meteorologie, Luftfahrtindustrie und Airlines an einen Tisch bringt. Das Forschungszentrum Jülich koordiniert, das BMFTR finanziert, nationale Wetterdienste liefern Fachexpertise, Fluggesellschaften stellen Flugzeuge und Betrieb bereit. IAGOS gilt als eines der wichtigsten europäischen Programme zur Erforschung der Erdatmosphäre und dürfte in Zeiten wachsender Regulierung der Nicht-CO2-Klimaeffekte des Luftverkehrs weiter an Gewicht gewinnen. Für alle, die sich tiefer mit solchen Themen rund um Airlines und Flugverkehr beschäftigen wollen, lohnt ein Blick in die Magazin-Kategorie Allg. News zu Airlines, Flugverkehr und mehr.
Was die Daten bewirken: Von der Atmosphärenmessung zum Klimamodell
Der eigentliche Wert der Messungen zeigt sich erst dort, wo die Daten weiterverarbeitet werden. Weil die Messhöhe von 9 bis 13 Kilometern jene Schicht der oberen Troposphäre und unteren Stratosphäre trifft, in der Prozesse den Strahlungshaushalt der Erde stark beeinflussen, sind IAGOS-Werte für die Klimaforschung besonders wertvoll. Rund 400 Organisationen weltweit nutzen sie, um langfristige Veränderungen der Atmosphäre zu erkennen, Klimamodelle zu präzisieren und operative Wettervorhersagen zu verbessern.
Der über mehr als drei Jahrzehnte aufgebaute Datenschatz aus über 37.500 Messflügen zählt insbesondere für Ozon- und Wasserdampfparameter zu den umfangreichsten der Welt. Das ist deshalb so relevant, weil Passagierflugzeuge eine räumliche und zeitliche Datendichte liefern, die weder reine Forschungsflugzeuge noch Satelliten allein hinbekommen. Ein Airbus, der ohnehin von Frankfurt nach New York fliegt, ist im Grunde eine mobile, hocheffiziente Messplattform, die den Weg der Passagiere und den Weg der Wissenschaft in ein einziges Kerosinlogistiksystem legt.
Für die Lufthansa Group ist die Kooperation nicht rein altruistisch, sondern strategisch anschlussfähig. Der Konzern führt eigene Forschungsaktivitäten zu Nicht-CO2-Effekten wie Kondensstreifen und Stickoxidemissionen, zu klimaoptimierter Flugplanung und zu präziseren operativen Wetterdaten. Je belastbarer die atmosphärische Datenlage in Reiseflughöhe, desto konkreter lassen sich künftig Flugrouten so planen, dass sie klimafreundlicher werden, ohne den kommerziellen Betrieb zu untergraben.
Ein fliegendes Labor im regulären Dienst und ein Modell für die Branche
Was mit der Viersen 2011 auf dem Weg nach Lagos begann, hat sich zu einem Modellansatz entwickelt: Passagierflugzeuge als kostengünstige, globale Messplattformen, ohne Abstriche im kommerziellen Betrieb. Mit drei von zehn IAGOS-Flugzeugen weltweit trägt die Lufthansa Group einen überproportionalen Anteil dieser Forschungsinfrastruktur, deren Daten rund 400 Organisationen nutzen. Dass sich weitere Airlines dem Netzwerk anschließen, spricht dafür, dass dieser Ansatz Schule macht. Für dich als Reisende oder Reisenden ist das eine leise, aber schöne Nebenbeobachtung: Der nächste Langstreckenflug, den du buchst, könnte ganz nebenbei ein Datenpunkt in einem der wichtigsten Klimaarchive der Welt sein. 📡 Und wer den Abflug am nächsten Morgen entspannt angehen will, findet beim Hotel mit Parken am Flughafen oder beim Parken-und-fliegen am Flughafen praktische Optionen für die Anreise.
Häufige Fragen zu IAGOS und dem Forschungsengagement der Lufthansa Group
Was ist IAGOS und wie unterscheidet es sich von klassischer Klimaforschung?
IAGOS steht für In-service Aircraft for a Global Observing System und nutzt reguläre Passagierflugzeuge als fliegende Messstationen. Im Gegensatz zu dedizierten Forschungsflugzeugen oder Satelliten ermöglicht das System eine deutlich höhere Dichte an Messpunkten auf globalen Flugrouten, und zwar in einer Reiseflughöhe von 9 bis 13 Kilometern, die für Klimaprozesse besonders relevant ist.
Seit wann ist die Lufthansa Group in der IAGOS-Forschung aktiv?
Das IAGOS-Engagement begann am 8. Juli 2011 mit dem ersten Messflug des A340-300 D-AIGT von Frankfurt nach Lagos. Das Vorgängersystem MOZAIC war bereits ab 1994 auf zwei Lufthansa A340-300 im Einsatz, sodass die Lufthansa Group insgesamt seit mehr als 30 Jahren Atmosphärenforschung im Linienbetrieb unterstützt.
Welche Flugzeuge der Lufthansa Group sind aktuell mit IAGOS ausgestattet?
Aktuell drei Langstreckenjets: der Airbus A340-300 D-AIGT mit dem Taufnamen Viersen bei Lufthansa seit Juli 2011, der Airbus A330-300 D-AIKO bei Discover Airlines seit Februar 2015 sowie der Airbus A330-300 D-AIKE bei Discover Airlines seit November 2022.
Wer nutzt die gesammelten IAGOS-Daten und sind sie öffentlich zugänglich?
Ja, die Daten sind frei zugänglich. Nach jedem Flug werden sie automatisch an das CNRS, das Centre National de la Recherche Scientifique in Toulouse, übermittelt und stehen global zur Verfügung. Derzeit nutzen rund 400 Organisationen weltweit die Daten zur Präzisierung von Klimamodellen, zur Feststellung langfristiger Atmosphärenveränderungen und zur Verbesserung von Wettervorhersagen.
Welche Nicht-CO2-Effekte des Luftverkehrs untersucht die Lufthansa Group?
Konkrete Messwerte zu einzelnen Effekten werden nicht öffentlich beziffert. Die Lufthansa Group führt jedoch Forschungsaktivitäten zu Nicht-CO2-Effekten wie Kondensstreifen und Stickoxidemissionen in Reiseflughöhe, zu klimaoptimierter Flugplanung sowie zu präziseren operativen Wetterdaten durch, ergänzend zum IAGOS-Engagement.
Stand: Juli 2026
Alle Angaben Stand Veröffentlicht am: