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Eurowings-Halbjahresbilanz: Zehn Millionen Gäste, voller Flieger, rote Zahlen

Veröffentlicht am: Ralf Zmölnig CEO u. CvD Park-Sleep-Fly
Weinflasche schenkt gekühlten Weißwein in gefrostete Weingläser an Strandbar in Paguera Mallorca
Eisgekühlter Weißwein wird am Strand von Paguera in Gläsern eingeschenkt.

Das Wichtigste auf einen Blick

Eurowings zieht eine gemischte Halbjahrsbilanz: Mehr als zehn Millionen Gäste, 75.000 Flüge zu über 150 Zielen und eine Regelmäßigkeit von annähernd 99 Prozent stehen einem Adjusted-EBIT-Verlust von minus 252 Millionen Euro im Point-to-Point-Segment des Lufthansa-Konzerns gegenüber. Belastend wirken höhere Treibstoffkosten infolge des Nahost-Konflikts sowie gestiegene Steuern und Gebühren am Luftverkehrsstandort Deutschland. Die durchschnittliche Auslastung stieg auf 85,3 Prozent, der Net Promoter Score (NPS) erreichte 47. Am Flughafen Berlin Brandenburg (BER) wächst die Hauptstadt-Basis auf rund 50 Ziele, darunter erstmals Direktverbindungen nach London, Lissabon und Sarajevo sowie ab November nach Rom.

Zehn Millionen Gäste und 99 Prozent Regelmäßigkeit: die operative Bilanz

Wer im Frühjahr oder Frühsommer mit einem gelb-lackierten Jet abgehoben ist, gehört statistisch gesehen zu einer sehr großen Reisegruppe. Über zehn Millionen Fluggäste haben sich im ersten Halbjahr für Eurowings entschieden, die Airline hat in diesem Zeitraum 75.000 Flüge zu mehr als 150 Zielen abgewickelt. ✈

Der zweite bemerkenswerte Wert steckt in einer Kennzahl, die Passagiere im Alltag selten hören: die Regelmäßigkeit. Sie misst, wie viele der geplanten Flüge tatsächlich stattgefunden haben, unabhängig von der genauen Abflugzeit. Eurowings kam hier auf annähernd 99 Prozent. Das ist deshalb bemerkenswert, weil das Halbjahr operativ alles andere als glatt lief: Zu Jahresbeginn drückten witterungsbedingte Einschränkungen auf den Betrieb, dazu kamen Streiks der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC), und die Auseinandersetzungen im Nahen Osten zwangen die Airline dazu, ihr Flugprogramm kurzfristig deutlich anzupassen.

Zur Einordnung: Als nach Eigenbezeichnung Deutschlands größter Ferienflieger und Value-Airline der Lufthansa Group bewegt Eurowings vor allem Urlaubsreisende, dazu über die Beteiligung an SunExpress ein zweites, touristisch geprägtes Standbein. Dass ein Anbieter dieser Größenordnung mehrere Störlagen parallel abfängt, ohne dass die Durchführungsquote zusammenbricht, ist eine der zentralen Botschaften dieses Halbjahres. Die eigentliche Ertragsphase, in der Ferienflieger den Löwenanteil ihres Jahresergebnisses erzielen, liegt ohnehin erst zwischen Juni und Oktober vor der Airline. Wer sich tiefer mit den Hintergründen des Luftverkehrs beschäftigen möchte, findet in der Kategorie Allg. News zu Airlines, Flugverkehr und mehr regelmäßig Einordnungen und Berichte.

Kundenzufriedenheit und Auslastung: NPS 47 und 85,3 Prozent Sitzladefaktor

Wie stabil eine Airline wirklich läuft, entscheidet sich nicht nur am Gate, sondern in den Rückmeldungen der Passagiere. Eurowings erreicht beim Net Promoter Score (NPS) einen Wert von 47. Der NPS misst, wie wahrscheinlich Kundinnen und Kunden eine Marke weiterempfehlen, und ist in der Airline-Branche als eher spröde Kennzahl bekannt, sprich: 47 gilt hier als anerkannt hoher Wert. Zusätzlich sagen laut internen Umfragen mehr als 71 Prozent der Fluggäste, sie würden erneut mit Eurowings fliegen.

Parallel dazu ist die durchschnittliche Auslastung der Flüge auf 85,3 Prozent gestiegen. Für einen Ferienflieger ist diese Zahl kein Kosmetikwert, sondern das eigentliche Erlösinstrument: Der Umsatz wird ganz überwiegend über das Ticket erzielt, nicht über Premium-Kabinen oder Zusatzsegmente wie im klassischen Netzcarrier-Modell. Jeder zusätzliche Prozentpunkt Sitzladefaktor wirkt direkt auf die Wirtschaftlichkeit.

Interessant ist die Kombination: Ein NPS von 47 in einem preissensitiven Value-Segment und eine Sitzauslastung jenseits der 85-Prozent-Marke sind ein Signal, dass volle Flieger nicht automatisch als Zumutung wahrgenommen werden. Für dich als Reisenden heißt das im Umkehrschluss: Beliebte Ferienstrecken werden eng bepackt sein, kluges Timing bei Buchung, Sitzplatzwahl und Anreise gewinnt an Wert.

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Nahost-Krise verschiebt Buchungen: Mittelmeer profitiert, Mallorca vorn

Sonnenterrasse mit Blick über eine mediterrane Bucht auf Mallorca im Sommer
Pärchen entspannt auf der Sonnenterrasse in Mallorca-Garten.

Wer im Frühjahr ein Reiseziel gesucht hat, spürt in den Buchungssystemen sehr direkt, was in der Weltpolitik passiert. Im zweiten Quartal hat die Nachfrage auf Strecken in den westlichen Mittelmeerraum spürbar angezogen, mit Mallorca als deutlich sichtbarem Gewinner. Ziele, die traditionell zum Portfolio deutscher Urlauber gehören, aber näher an Krisenregionen liegen, verlieren dagegen an Attraktivität.

Der Mechanismus dahinter ist ein klassischer Substitutionseffekt: Wenn die Nachrichtenlage rund um Ägypten, Israel oder Teile der Türkei unruhig bleibt, verlagert sich die Nachfrage auf politisch als stabil wahrgenommene Alternativen. Balearen, spanisches Festland, Süditalien und Portugal profitieren. Mallorca ist innerhalb dieser Verschiebung das prominenteste Einzelziel, es gilt seit Jahren als stärkster Urlaubsflughafen des deutschen Marktes und wird das durch die aktuelle Lage eher noch zementiert.

Für Eurowings hatte die geopolitische Lage zwei Seiten: Einerseits musste das Flugprogramm wegen der Auseinandersetzungen im Nahen Osten kurzfristig stark angepasst werden, andererseits hat genau dieser Effekt die Nachfrage in Richtung Mittelmeer gebündelt, in dem Eurowings besonders präsent ist. Wenn du in den kommenden Wochen buchst, ist es realistisch, dass beliebte PMI-Termine früh voll sind und Preisspitzen nicht die Ausnahme bleiben. 🏖

Berlin Brandenburg (BER): Eurowings baut Hauptstadt-Basis auf rund 50 Ziele aus

Neben dem klassischen Ferienthema läuft in Berlin ein strategischer Ausbau, der in der Öffentlichkeit weniger Schlagzeilen fängt, für Berliner Reisende aber viel greifbarer ist. Eurowings verbindet den Flughafen Berlin Brandenburg (BER) im Sommerflugplan erstmals mit rund 50 Zielen und verdichtet damit ein Netz, das in dieser Breite so noch nicht existierte.

Schwerpunkt des Ausbaus sind Direktverbindungen zwischen BER und europäischen Hauptstädten. Konkret neu im Programm sind unter anderem diese Strecken:

  • London (ab BER, Sommerflugplan)
  • Lissabon (ab BER, Sommerflugplan)
  • Sarajevo (ab BER, Sommerflugplan)
  • Rom (ab BER, ab November)

Hinter dem Ausbau steckt das Point-to-Point-Modell der Airline: Passagiere fliegen direkt vom Startflughafen zum Ziel, ohne den Umweg über einen Drehkreuz-Hub. In diesem Modell ist die lokale Streckendichte an einem Standort entscheidend, denn jede zusätzliche Direktverbindung erschließt neue Kundengruppen und schützt gleichzeitig die bestehenden Routen. Nach der Heimatbasis Köln/Bonn (CGN) und Düsseldorf (DUS) rückt BER damit klar in die vorderste Reihe der Eurowings-Standorte.

Für dich bedeutet der BER-Ausbau vor allem: mehr Nonstop-Optionen ohne Umsteigen, kürzere Reisegesamtzeit und deutlich mehr Kalender-Kombinationen für Städtetrips und Business-Kurztrips. Wer am Vorabend anreist und in einem Hotel mit Parken am Flughafen übernachtet, startet ohne Stau-Stress und ausgeruht in den Tag — vor allem bei den frühen Slots dieser Direktverbindungen ein echter Unterschied. Wer mit dem eigenen Auto anreist, findet in der Übersicht zum Parken am Flughafen passende Optionen für die Standzeit. 🅿

Minus 252 Millionen Euro: Warum das Ergebnis trotz voller Flieger negativ ist

So gut die operative Seite aussieht, so klar fällt das finanzielle Zwischenzeugnis aus: Das Point-to-Point-Segment des Lufthansa-Konzerns, in dem Eurowings gemeinsam mit der Beteiligung an SunExpress geführt wird, weist für das erste Halbjahr ein Adjusted EBIT von minus 252 Millionen Euro aus. Adjusted EBIT ist dabei die im Airline-Reporting übliche Kennzahl für das bereinigte operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern, also das, was aus dem eigentlichen Fluggeschäft übrig bleibt.

Warum steht dieser Wert im Minus, obwohl die Flieger voll waren? Auf der Kostenseite haben sich zwei Effekte überlagert. Erstens sind die Treibstoffaufwendungen infolge des Nahost-Konflikts spürbar gestiegen, Kerosin ist der größte einzelne variable Kostenblock einer Airline. Zweitens drücken höhere Steuern und Gebühren am Luftverkehrsstandort Deutschland auf die Bilanz, dazu zählen unter anderem die Luftverkehrsteuer und die Flughafenentgelte. Beides trifft einen Ferienflieger mit vielen kurzen, preissensitiven Strecken besonders hart. Zum Muster gehört außerdem: Das erste Halbjahr ist für Ferienflieger strukturell das schwächere, weil der Großteil des Ergebnisses zwischen Juni und Oktober erwirtschaftet wird.

BelastungsfaktorUrsacheEinordnung
Höhere TreibstoffkostenNahost-Konflikt, gestiegene KerosinpreiseDirekt ergebnisrelevant, schwer planbar
Gestiegene Steuern und GebührenLuftverkehrsteuer und Flughafenentgelte in DeutschlandStruktureller Standortnachteil
VC-PilotenstreiksTarifauseinandersetzung mit Vereinigung CockpitOperativer Störfaktor im Flugprogramm
Saisonales ErgebnisgefälleHauptreisezeit Juni bis Oktober noch nicht abgeschlossenTypisches Muster im Ferienflieger-Segment
Belastungsfaktoren im Überblick: Was das Ergebnis von Eurowings im ersten Halbjahr drückt

Kurz zusammengefasst: Die minus 252 Millionen Euro sind nicht das Ergebnis eines schwachen Marktes, sondern das Zusammenspiel aus externem Kostendruck, Standortabgaben und einem Segment, das seinen Ertrag erst in der Hochsaison einfährt. Was am Jahresende in den Büchern steht, wird sich vor allem daran entscheiden, wie robust die Mittelmeer-Nachfrage bis Oktober bleibt.

Starker Sommer entscheidet, und Berlin wächst

Bleibt die Frage, was Reisende aus dieser Halbjahrsbilanz konkret mitnehmen. Die operative Verlässlichkeit ist bemerkenswert, und der aktuelle Verlust im Point-to-Point-Segment ist im Kontext des Ferienflieger-Modells einzuordnen: Die eigentliche Ertragsphase zwischen Juni und Oktober liegt noch vor der Airline, und volle Mittelmeer-Strecken sprechen dafür, dass sich das Bild bis zum Jahresende verschieben kann.

Parallel entsteht in Berlin ein zweiter, langfristig wirkender Baustein: Rund 50 Ziele ab BER, darunter neue Hauptstadt-Direktverbindungen nach London, Lissabon, Sarajevo und ab November Rom, machen die Hauptstadt zu einem der spannendsten Eurowings-Standorte. Und wenn du dazu eine mehrtägige Reise vor dir hast und morgens ohne Stau-Stress, ohne frühes Aufstehen und ohne Hektik in den Flug starten willst, lohnt sich der Gedanke an eine Anreise am Vorabend, ein entspanntes Abendessen und eine normale Nacht in einem Hotel am oder nahe dem Flughafen, bevor es losgeht. Mehr Kontext dazu findest du in unserem Magazin rund um Airlines, Flugverkehr und Reiseplanung sowie in den Übersichten zu Hotel mit Parken am Flughafen und Parken am Flughafen.

Mitreden

Hast du deine Sommerreise schon gebucht, und hat die aktuelle Nachrichtenlage deine Wahl des Reiseziels beeinflusst? Schreib es uns, ich lese jede Antwort.

Häufige Fragen zu Eurowings im ersten Halbjahr

Wie viele Gäste hat Eurowings im ersten Halbjahr befördert?

Eurowings beförderte in den ersten sechs Monaten mehr als zehn Millionen Gäste auf insgesamt 75.000 Flügen zu über 150 Zielen.

Was bedeutet der Net Promoter Score (NPS) von 47?

Der Net Promoter Score misst, wie wahrscheinlich Kundinnen und Kunden eine Marke weiterempfehlen, auf einer Skala von minus 100 bis plus 100. Ein Wert von 47 gilt in der Airline-Branche als anerkannt hoch. Laut internen Umfragen würden mehr als 71 Prozent der Eurowings-Fluggäste erneut mit der Airline fliegen.

Welche neuen Strecken bietet Eurowings ab Berlin Brandenburg (BER) an?

Im Sommerflugplan verbindet Eurowings BER erstmals mit rund 50 Zielen. Neu hinzugekommen sind direkte Verbindungen nach London, Lissabon und Sarajevo. Rom wird ab November bedient.

Warum weist Eurowings im ersten Halbjahr einen Verlust aus, obwohl die Flüge gut ausgelastet waren?

Das Point-to-Point-Segment aus Eurowings und der SunExpress-Beteiligung schloss das erste Halbjahr mit einem Adjusted EBIT von minus 252 Millionen Euro ab. Hauptgründe sind höhere Treibstoffkosten infolge des Nahost-Konflikts sowie gestiegene Steuern und Gebühren am Luftverkehrsstandort Deutschland. Hinzu kommt, dass Ferienflieger den Großteil ihres Jahresergebnisses strukturell zwischen Juni und Oktober erzielen.

Was ist der Unterschied zwischen Regelmäßigkeit und Pünktlichkeit im Flugbetrieb?

Regelmäßigkeit misst, wie viele der geplanten Flüge tatsächlich stattgefunden haben, unabhängig von der genauen Abflugzeit. Eurowings erreichte im ersten Halbjahr eine Regelmäßigkeit von annähernd 99 Prozent, was bedeutet, dass nahezu alle geplanten Flüge trotz Streiks, Wetter und Programmänderungen tatsächlich durchgeführt wurden. Pünktlichkeit bezieht sich dagegen auf die konkrete Einhaltung der planmäßigen Abflug- oder Ankunftszeit.

Stand: August 2026


Artikel: Eurowings-Halbjahresbilanz: Zehn Millionen Gäste, voller Flieger, rote Zahlen
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