ONE Record in Produktion: Wie Lufthansa Cargo, WiseTech und IBS die Luftfracht digital vernetzen
Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste auf einen Blick
Lufthansa Cargo, WiseTech Global und IBS Software haben den im Januar 2026 von der IATA eingeführten Datenstandard ONE Record erstmals in einer groß angelegten Produktionsumgebung unter Einbeziehung mehrerer Beteiligter umgesetzt. Sendungsdaten aus Master Air Waybills wanderten dabei über die CargoWise-Plattform von WiseTech und den IBS ONE Record-Server ins System von Lufthansa Cargo und wurden dort verarbeitet. Der offene, API-basierte Standard erlaubt Datenaustausch nahezu in Echtzeit, proaktives Sendungsmanagement und schafft die Grundlage für KI-gestützte Services. Lufthansa Cargo betreibt fünf Frachthubs in Frankfurt, München, Brüssel, Wien und Rom, bewegt täglich rund 2.500 Tonnen Fracht und kam 2025 auf einen Umsatz von 3,40 Milliarden Euro.
Meilenstein im Luftfrachtdatenaustausch: ONE Record geht in Produktion
Wer schon einmal ein Paket in die USA verschickt hat und sich gefragt hat, warum die Sendungsverfolgung stundenlang auf einem Status hängen bleibt, bekommt eine Ahnung davon, wie fragmentiert die Datenwelt hinter dem globalen Luftfrachtverkehr bis heute ist. Genau hier setzt die Nachricht an, die Lufthansa Cargo, WiseTech Global und IBS Software am 14. Juli 2026 veröffentlicht haben: Die drei Unternehmen haben den neuen IATA-Datenstandard ONE Record erstmals in einer produktiven, gemeinsam betriebenen Umgebung erfolgreich implementiert. ✈
Konkret geht es um Sendungsdaten auf Ebene des Master Air Waybill, also des übergeordneten Frachtbriefdokuments, das die Gesamtsendung zwischen Spediteur und Fluggesellschaft regelt. Ein Spediteur erzeugte den Datensatz in der CargoWise-Plattform von WiseTech Global, schickte ihn über den IBS ONE Record-Server auf die Reise, und im Cargo-Management-System von Lufthansa Cargo kam er nicht nur an, sondern wurde direkt weiterverarbeitet. Klingt technisch nüchtern, ist aber branchenintern ein größerer Schritt: Es zählt zu den ersten groß angelegten Umsetzungen des Standards mit mehreren beteiligten Akteuren gleichzeitig.
Die IATA hatte ONE Record im Januar 2026 offiziell eingeführt, davor lag mehrjährige Vorarbeit der drei Unternehmen. Für dich als Reisende oder Reisender bleibt das erstmal im Hintergrund. Wenn du aber gelegentlich Fracht oder Handgepäck-Übergrößen aufgibst, spürst du solche Neuerungen mittelbar. Weniger fragmentierte Kommunikationswege bedeuten weniger Rückfragen, schnellere Abfertigung und einen Prozess, der sich weniger anfühlt wie ein Fax-Marathon aus den Neunzigern.
Was ist ONE Record? Der neue IATA-Standard erklärt
ONE Record ist der von der IATA koordinierte Standard für den durchgängigen Datenaustausch entlang der gesamten Luftfrachtkette, also vom Absender über Spediteur, Trucker und Frachtfluggesellschaft bis zum Empfänger. Kern des Ganzen ist ein gemeinsames Datenmodell, ergänzt um eine standardisierte, gesicherte API, also eine einheitliche Schnittstelle, über die IT-Systeme miteinander sprechen. Statt jeder mit jedem individuell zu verhandeln, wie Daten aussehen sollen, spricht plötzlich die ganze Branche dieselbe Sprache.
Wichtig für die Verbreitung: Der Standard ist als kostenlose Open-Source-Lösung ausgelegt und wird in einem offenen, transparenten Prozess weiterentwickelt. Versender, Spediteure und Datenplattformen können ihre Systeme über die API anbinden und ab dann Sendungsdaten nicht nur nachverfolgen, sondern auch korrigieren oder ergänzen. Der entscheidende Unterschied zur bisherigen Praxis: Frachtdaten lassen sich schon vor dem eigentlichen Transport prüfen und verarbeiten. Und es wandern deutlich mehr Datenpunkte und Dateiformate durch die Kette als bisher üblich.
Für die Fachwelt ist noch ein anderer Aspekt relevant: ONE Record ist so konstruiert, dass es auch die wachsenden behördlichen Anforderungen, etwa bei Zoll- oder Sicherheitsdaten, mittelfristig abbilden kann. Die schrittweise Einführung erfolgt anhand konkreter Anwendungsfälle, und der Master Air Waybill ist der erste davon.
- Nahtloser Datenaustausch nahezu in Echtzeit zwischen allen Beteiligten der Lieferkette
- Prüfung und Verarbeitung der Frachtdaten schon vor dem eigentlichen Transport
- Austausch deutlich größerer Datenmengen und mehr Dateiformate als mit den bisherigen Systemen
- Transparenz bis auf die Ebene einzelner Sendungen, nicht nur der Gesamtfracht
- Proaktives Management in jeder Phase des Transportprozesses statt Reagieren im Nachhinein
- Solide Basis für KI-gestützte Services entlang der Luftfrachtlogistik
Die drei Partner: Rollen und Reichweite im ONE-Record-Projekt
Damit ein Standard in der Praxis funktioniert, müssen die richtigen Player mitspielen. In diesem Fall greifen die Rollen sauber ineinander: WiseTech Global ist Systemanbieter für die Spediteurseite und liefert mit CargoWise die Plattform, auf der die Sendungsdaten entstehen. IBS Software ist Systemanbieter von Lufthansa Cargo und betreibt den ONE Record-Server, über den die Daten hereinkommen und weiterverarbeitet werden. Lufthansa Cargo schließlich ist die Frachtfluggesellschaft, die die Daten operativ nutzt.
Die Reichweite dieser Konstellation ist der eigentliche Hebel. WiseTech Global ist nach eigenen Angaben mit mehr als 22.000 Logistikunternehmen in 193 Ländern vernetzt, darunter 46 der 50 weltweit größten Drittlogistikdienstleister und 23 der 25 größten Spediteure. Mit der Übernahme von e2open erweiterte sich das Netzwerk auf über 500.000 vernetzte Unternehmen aus Fertigung, Logistik, Vertrieb und Distribution. Allein in den vergangenen fünf Jahren hat WiseTech laut Unternehmen über 6.300 Produktverbesserungen an der CargoWise-Plattform vorgenommen. IBS Software wiederum ist mit 16 Niederlassungen weltweit vertreten und bedient neben Frachtmanagement auch Passagierservices, Treueprogramme und Flottenbetrieb großer Reisemarken. Bevor die drei Unternehmen jetzt live gingen, lag eine mehrjährige gemeinsame Vorbereitung dahinter.
| Unternehmen | Rolle im Projekt | Plattform / System | Reichweite |
|---|---|---|---|
| Lufthansa Cargo | Frachtfluggesellschaft, Datenabnehmer | Eigenes Cargo-Management-System | 350 Destinationen in über 100 Ländern, 2.500 Tonnen Fracht pro Tag |
| WiseTech Global | Systemanbieter für Spediteure | CargoWise | Über 22.000 Logistikunternehmen in 193 Ländern |
| IBS Software | Systemanbieter für Lufthansa Cargo | IBS ONE Record-Server | 16 Niederlassungen weltweit |
Die Tabelle zeigt, warum diese Dreierkonstellation branchenweit Signalwirkung hat: Jede Ebene der Kette ist besetzt, und über die Reichweite von CargoWise sind bereits die meisten großen Spediteure der Welt mit im Boot. Wer als weiterer Marktteilnehmer andocken will, findet also einen anschlussfähigen Rahmen vor.
Lufthansa Cargo: Netzwerk, Flotte und wirtschaftliche Bedeutung

Damit sich die Dimension der Umstellung einordnen lässt, lohnt ein Blick auf Lufthansa Cargo selbst. Die Frachttochter der Lufthansa Group gehört zu den weltweit führenden Frachtfluggesellschaften, und die Muttergruppe ist der größte Airline-Konzern in Europa. Fünf Frachthubs bilden das Rückgrat: Frankfurt (FRA), München (MUC), Brüssel (BRU), Wien (VIE) und Rom (FCO). Über diese Drehkreuze bewegt das Unternehmen im Tagesdurchschnitt rund 2.500 Tonnen Fracht.
Das Streckennetz umfasst rund 350 Destinationen in über 100 Ländern. Die eigene Frachterflotte besteht aus 18 Boeing 777F und vier Airbus A321F. Dazu vermarktet Lufthansa Cargo die Belly-Kapazitäten, also die Frachtkapazitäten im Unterdeck der Passagierflugzeuge, von gleich sieben Partnerairlines: Lufthansa Airlines, Austrian Airlines, Brussels Airlines, Discover Airlines, ITA Airways, Lufthansa City Airlines und SunExpress. Zusätzlich sind pro Tag rund 300 LKW unter einer Lufthansa Cargo-Flugnummer im Einsatz und verlängern das Netzwerk auf der Straße.
Wirtschaftlich schlägt sich das in ordentlichen Zahlen nieder: Im Jahr 2025 erzielte Lufthansa Cargo einen Umsatz von 3,40 Milliarden Euro bei einer Transportleistung von 9,10 Milliarden Frachttonnenkilometern. Rund 4.300 Mitarbeitende sind weltweit tätig. Wenn ein Akteur dieser Größenordnung einen neuen Datenstandard produktiv setzt, wird aus einem Pilotprojekt schnell ein Marktsignal. Wer sich über die Hubs Frankfurt oder München hinaus mit Flugplanung beschäftigt, findet zum Thema Parken am Flughafen praktische Orientierung — von der Anreise mit dem eigenen Auto bis zum Shuttle-Transfer.
Stimmen der Beteiligten: Was die Projektverantwortlichen sagen
Die inhaltliche Einordnung fällt bei allen drei Partnern erstaunlich deckungsgleich aus. Dr. Jasmin Kaiser, Head of Information Management und Chief Data Officer bei Lufthansa Cargo, verweist darauf, dass ihr Haus die Einführung von ONE Record seit vielen Jahren aktiv vorangetrieben habe. Nach mehreren Pilotprojekten sei die Frachtfluggesellschaft nun in der Lage, sich schneller und effizienter mit ihren Kunden in großem Maßstab zu vernetzen. Ein nahtloser Datenaustausch, so ihre Einschätzung, sei die Grundlage, um in einem nächsten Schritt weitere digitale Vorteile und KI-gestützte Services in der Frachtlogistik nutzbar zu machen.
Elias Hatzigeorgiou, Senior Product Manager bei WiseTech Global, betont die enge, monatelange Zusammenarbeit mit IBS Software und Lufthansa Cargo. Als Early Adopters, so seine Lesart, belegen die drei Unternehmen nicht nur den Mehrwert des Standards, sondern beschleunigen den Übergang der Branche zu einem wirklich vernetzten Luftfracht-Ökosystem, in dem Sendungsdaten nahtlos, sicher und in Echtzeit fließen. Fragmentierte Kommunikationswege werden aus seiner Sicht durch eine standardisierte Datenquelle abgelöst.
Radhesh Menon, Head of Cargo and Logistics Solutions bei IBS Software, ordnet die Kooperation als bedeutende Partnerschaft mit zwei renommierten Marktführern ein. Technologie und Digitalisierung seien wichtige Wachstumstreiber der Luftfrachtbranche, und sein Unternehmen sehe sich in der Rolle, ONE-Record-fähige Innovationen weiter voranzutreiben. Kurz: Alle drei Beteiligten deuten die Implementierung nicht als Endpunkt, sondern als Startpunkt einer breiteren digitalen Neuordnung.
Was die Branche nicht sagt: Offene Fragen und mittelfristige Perspektiven
So klar der erfolgreiche Livegang dasteht, so unklar bleibt dieser an ein paar interessanten Stellen. Nicht adressiert wird zum Beispiel, wie schnell andere Fluggesellschaften und Spediteure nachziehen. Da der Standard als kostenlose Open-Source-Lösung verfügbar ist, liegt die Eintrittshürde auf technischer und lizenzrechtlicher Seite niedrig. Der Aufwand steckt eher in der Anbindung der eigenen IT-Landschaft. Für die Marktbeobachtung heißt das: In den kommenden 6 bis 12 Monaten wird sich zeigen, ob weitere große Frachtcarrier ähnliche Ankündigungen platzieren.
Ebenfalls offen bleibt die Frage, wie ONE Record in unterschiedlichen Ländern konkret an Zoll- und Sicherheitsbehörden andockt. Die verfügbaren Informationen zeigen die Zukunftsfestigkeit des Standards als Argument, ohne Fahrplan zu konkreten Behördenintegrationen. Da aber genau dort in vielen Ländern der eigentliche Zeitfresser sitzt, dürfte die behördliche Adaption entscheidend dafür sein, wie viel operative Wirkung der Standard entfaltet. 🅿 Für Bodenprozesse und Vorabfertigungen gilt Ähnliches wie beim Reisen selbst: Je früher belastbare Daten vorliegen, desto weniger Stress am Tag X.
Ein weiterer Punkt: Weil Lufthansa Cargo als Early Adopter direkt mit einem der weltweit größten Spediteurs-Netzwerke gearbeitet hat, ist die Basis für schnelle Skalierung größer als bei einem klassischen bilateralen Pilotprojekt. Auf mittlere Sicht könnten KI-gestützte Services auf Basis der neuen Datentiefe die Zollabfertigung, die Auslastungsoptimierung von Flügen und die Sendungsverfolgung in Echtzeit spürbar verbessern. Ob daraus tatsächlich der von den Beteiligten erwartete Effizienzsprung wird, hängt weniger an der Technik als an der Bereitschaft der Branche, konsequent umzusteigen. Für alle, die sich tiefer mit dem Thema beschäftigen wollen, lohnt ein Blick in die Magazin-Kategorie Allg. News zu Airlines, Flugverkehr und mehr.
ONE Record: Fundament für die papierlose, KI-fähige Luftfracht
Mit der produktiven Implementierung von ONE Record durch Lufthansa Cargo, WiseTech Global und IBS Software ist der lange angekündigte Paradigmenwechsel im Luftfrachtdatenaustausch aus der Präsentationsphase in den realen Betrieb übergegangen. Der im Januar 2026 von der IATA eingeführte Standard schafft erstmals eine branchenweite, offene und gesicherte Datengrundlage und legt damit das Fundament für KI-gestützte Effizienzgewinne, schnellere Zollprozesse und resilientere Lieferketten. Ob sich ONE Record am Ende als universeller Branchenstandard durchsetzt, entscheidet sich in den nächsten Jahren daran, wie zügig weitere Airlines, Spediteure und Behörden weltweit die API-Anbindung tatsächlich vollziehen. Für dich als Reisende oder Reisender im Hintergrund gute Nachrichten: Weniger Reibung in der Fracht bedeutet über kurz oder lang auch verlässlichere Prozesse im gesamten Luftverkehrssystem. Wer am Reisetag selbst entspannt an einen der Lufthansa-Hubs ankommen will, findet bei Hotel mit Parken (Park-Sleep-Fly) am Flughafen eine passende Möglichkeit, Übernachtung und Abstellplatz für das Auto direkt zu kombinieren.
Häufige Fragen zu ONE Record und der Lufthansa Cargo-Implementierung
Was ist ONE Record und wer hat den Standard entwickelt?
ONE Record ist ein einheitlicher Datenstandard für den durchgehenden Austausch von Frachtdaten entlang der gesamten Luftfrachttransportkette. Er wurde unter Koordination der IATA (International Air Transport Association) entwickelt und im Januar 2026 offiziell eingeführt. Der Standard basiert auf einem gemeinsamen Datenmodell und einer standardisierten, gesicherten API und steht als kostenlose Open-Source-Lösung bereit.
Was ist ein Master Air Waybill (MAWB)?
Ein Master Air Waybill ist das übergeordnete Frachtbriefdokument in der Luftfracht. Es regelt das Vertragsverhältnis zwischen Spediteur und Fluggesellschaft für eine Gesamtsendung. Im ersten Anwendungsfall der ONE-Record-Implementierung wurden MAWB-Daten in der CargoWise-Plattform von WiseTech Global erstellt und über den IBS ONE Record-Server an Lufthansa Cargo übertragen.
Welche konkreten Vorteile bringt ONE Record gegenüber bisherigen Datenaustauschsystemen?
ONE Record erlaubt die Prüfung und Verarbeitung von Frachtdaten schon vor dem eigentlichen Transport, unterstützt deutlich mehr Datenpunkte und Dateiformate als bisher, schafft Transparenz bis auf die Ebene einzelner Sendungen und bildet die Grundlage für proaktives Sendungsmanagement sowie KI-gestützte Services. Er ersetzt fragmentierte Kommunikationswege wie Fax, E-Mail und proprietäre Systeme durch eine standardisierte Datenquelle.
Wie groß ist Lufthansa Cargo und welche Hubs betreibt das Unternehmen?
Lufthansa Cargo ist eine der weltweit führenden Frachtfluggesellschaften und Teil der Lufthansa Group. Das Unternehmen betreibt fünf Frachthubs in Frankfurt (FRA), München (MUC), Brüssel (BRU), Wien (VIE) und Rom (FCO), bewegt täglich rund 2.500 Tonnen Fracht, bedient etwa 350 Destinationen in über 100 Ländern und erzielte 2025 einen Umsatz von 3,40 Milliarden Euro.
Können andere Unternehmen ONE Record ebenfalls nutzen?
Ja. ONE Record ist eine kostenlose Open-Source-Lösung. Versender, Spediteure und Datenplattformen können ihre IT-Systeme über eine standardisierte API anbinden und danach Sendungsdaten nachverfolgen, korrigieren oder ergänzen. Der Standard wird in einem offenen, transparenten Prozess weiterentwickelt und schrittweise anhand konkreter Anwendungsfälle in der globalen Luftfrachtindustrie eingeführt.
Stand: Juli 2026
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