BER-Geschäftsbericht 2025: Der Flughafen Berlin Brandenburg wird finanziell selbstständig
Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste auf einen Blick
Die Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB) hat am 8. Juni 2026 ihren Geschäftsbericht für 2025 vorgelegt. Das EBITDA lag bei 203,9 Millionen Euro, der Konzernjahresfehlbetrag wurde um 48,3 Millionen Euro auf 86,1 Millionen Euro gesenkt, stärker als geplant. 26,1 Millionen Passagiere nutzten den BER (plus 2,3 Prozent), die Erlöse stiegen auf 666,5 Millionen Euro. Mit dem Refinanzierungspaket über 1,2 Milliarden Euro vom November 2025 und der letzten Gesellschafter-Kapitalzuführung von 500 Millionen Euro im Februar 2026 ist die FBB erstmals finanziell selbstständig und nicht mehr auf Bürgschaften ihrer Gesellschafter angewiesen.
BER 2025: EBITDA auf 203,9 Millionen Euro, Fehlbetrag stärker als geplant gesenkt
Wer die Geschichte des Flughafens Berlin Brandenburg seit der Eröffnung verfolgt, hat lange auf eine Meldung dieser Tonlage gewartet: Die FBB schreibt für das Geschäftsjahr 2025 erneut ein positives operatives Ergebnis, und zwar deutlicher als zuvor. Das EBITDA, also der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, kletterte auf 203,9 Millionen Euro. Diese Kennzahl bildet ab, wie ertragreich das operative Kerngeschäft eines Unternehmens läuft, losgelöst von Finanzierungsstruktur und Bilanzeffekten. Weitere News und Hintergründe zum Standort findest du in der Flughafen Berlin Brandenburg (BER) – Infos, News und Reise-Inspirationen ✈.
Noch markanter ist der Blick auf den Konzernjahresfehlbetrag. Er fiel um 48,3 Millionen Euro auf 86,1 Millionen Euro und unterbot damit die eigenen Planvorgaben. Auch die Erlösseite legte zu: 666,5 Millionen Euro stehen nun gegenüber 645,7 Millionen Euro aus dem Jahr 2024. Drei Bewegungen also, die in dieselbe Richtung zeigen, mehr Umsatz, weniger Verlust, solides operatives Ergebnis.
| Kennzahl | 2024 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Erlöse | 645,7 Mio. Euro | 666,5 Mio. Euro | +20,8 Mio. Euro |
| EBITDA | nicht ausgewiesen | 203,9 Mio. Euro | – |
| Konzernjahresfehlbetrag | 134,4 Mio. Euro (abgeleitet) | 86,1 Mio. Euro | -48,3 Mio. Euro |
| Passagiere | 25,5 Mio. (abgeleitet) | 26,1 Mio. | +2,3 % |
| Flugbewegungen | ~191.700 (abgeleitet) | ~193.000 | +0,7 % |
Die Tabelle macht den Konsolidierungspfad sichtbar, der seit Aufnahme des regulären Flughafenbetriebs verfolgt wird. Aus einer strukturell defizitären Lage heraus arbeitet sich die FBB schrittweise in eine Zone, in der das Tagesgeschäft genug Substanz produziert, um den Schuldendienst aus eigener Kraft zu tragen.
26,1 Millionen Passagiere und 193.000 Flugbewegungen: BER wächst moderat
Hinter den Bilanzzahlen steht eine schlichte Wahrheit: Ein Flughafen lebt von seinen Passagieren. ✈ Im Jahr 2025 reisten 26,1 Millionen Fluggäste über den BER (IATA-Code: BER), ein Plus von 2,3 Prozent gegenüber 2024. Rund 193.000 Flugzeuge starteten und landeten am Standort, das sind 0,7 Prozent mehr als im Vorjahr.
Spannend ist die Differenz zwischen beiden Wachstumsraten. Wenn die Passagierzahl deutlich stärker zulegt als die Flugbewegungen, steigt die durchschnittliche Auslastung pro Flug. Das passt zu einem Branchentrend, in dem größere Flugzeugtypen und höhere Sitzladefaktoren immer wichtiger werden. Für dich als Reisende oder Reisender heißt das in der Praxis: vollere Maschinen, mehr Andrang an Spitzenzeiten, mehr Bedeutung einer durchdachten Anreiseplanung. Berlin festigt mit diesen Werten seine Position als einer der verkehrsreichsten Luftverkehrsstandorte Deutschlands.
Finanzielle Selbstständigkeit erreicht: Refinanzierung und letzte Kapitalzuführung abgeschlossen
Der eigentliche Wendepunkt liegt nicht in den laufenden Zahlen, sondern in zwei Stichtagen. Im November 2025 brachte die FBB ein umfassendes Refinanzierungspaket über Kreditverbindlichkeiten in Höhe von 1,2 Milliarden Euro erfolgreich am Kapitalmarkt unter. Im Februar 2026 folgte die letzte mit den Gesellschaftern vereinbarte Kapitalzuführung, 500 Millionen Euro, die zur Tilgung von Altkrediten aus der Bauzeit eingesetzt wurden.
Bemerkenswert dabei: Die ursprünglich zugesicherte Maximalsumme der Gesellschafter, also Land Berlin, Land Brandenburg und Bundesrepublik Deutschland, hätte bei bis zu 660 Millionen Euro gelegen. Tatsächlich abgerufen wurden nur 500 Millionen Euro. Rund 160 Millionen Euro blieben damit ungenutzt, ein klares Signal, dass sich die operative Lage besser entwickelt hat als ursprünglich kalkuliert.
Mit diesen beiden Schritten gilt die FBB als finanziell selbstständig. Sie ist nicht mehr auf Bürgschaften ihrer Gesellschafter angewiesen, sondern bedient ihre Verbindlichkeiten aus eigener Kraft am Kapitalmarkt. Grundlage des gesamten Prozesses ist der 2021 zwischen FBB und Gesellschaftern vereinbarte Teilentschuldungsplan, ein strukturiertes Programm zur schrittweisen Reduktion der Verbindlichkeiten aus der problembehafteten Bauphase. Aletta von Massenbach, Vorsitzende der Geschäftsführung, ordnet diese Selbstständigkeit als Ergebnis der konsequenten Umsetzung dieses Plans ein und kündigt an, den Weg trotz fordernder externer Einflüsse weiterzugehen.
Von der Dauerbaustelle zur Eigenständigkeit: Die lange Sanierungsgeschichte des BER
Ohne die Vorgeschichte lässt sich die Tragweite dieser Meldung kaum erfassen. Geplant war eine Eröffnung im Jahr 2011. Tatsächlich rollten die ersten Linienmaschinen erst im Oktober 2020, neun Jahre später als ursprünglich vorgesehen. Diese Bauzeitverzögerung hat sich nicht nur in die Stadtgeschichte Berlins eingeschrieben, sondern auch tief in die Bilanz der FBB. Massive Kostensteigerungen führten zu einer strukturellen Überschuldung, die jahrelang nur durch Bürgschaften und Kapitalzuführungen der öffentlichen Gesellschafter abgefedert werden konnte.
Der 2021 vereinbarte Teilentschuldungsplan war der erklärte Versuch, diesen Zustand planmäßig zu beenden und nicht durch immer neue Notmaßnahmen am Leben zu erhalten. Die jetzt erreichte finanzielle Selbstständigkeit markiert, zumindest bilanziell, den vorläufigen Abschluss dieser Sanierungsphase. Ob der BER mittelfristig auch in die Gewinnzone gelangt, ist eine andere Frage, die wesentlich von Passagierentwicklung, Kostendisziplin und externen Branchenfaktoren abhängt. Aletta von Massenbach weist genau auf diese fordernden externen Einflüsse auf den Luftverkehr ausdrücklich hin.
Was die Zahlen für die Zukunft des BER bedeuten könnten
Finanzielle Selbstständigkeit eröffnet einer Flughafengesellschaft strategischen Handlungsspielraum. Investitionen in den Standort lassen sich künftig leichter ohne Gesellschafter-Freigaben aufgleisen. Voraussetzung dürfte sein, dass das Passagierwachstum auf dem Niveau von 2025 stabil bleibt oder sich beschleunigt. Plus 2,3 Prozent sind eine solide Basis, aber kein Selbstläufer.
Gleichzeitig bleibt der Jahresfehlbetrag mit 86,1 Millionen Euro spürbar im Minus, die volle Profitabilität ist also noch nicht erreicht. Wie schnell sie kommt, entscheiden Faktoren, die nur teilweise in der Hand der FBB liegen: Treibstoffkosten, Nachfrageentwicklung auf den Berliner Hauptstrecken und die Wettbewerbsdynamik zwischen den am Standort aktiven Fluggesellschaften. Die Geschäftsführung hat angedeutet, den Konsolidierungspfad trotz dieser herausfordernden Rahmenbedingungen konsequent weiterzugehen.
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BER 2025: Ein Wendepunkt mit offenem Ausgang
Das Geschäftsjahr 2025 markiert für den Flughafen Berlin Brandenburg einen echten Einschnitt. Die finanzielle Selbstständigkeit ist nach Jahren der Gesellschafter-Abhängigkeit erreicht, das EBITDA liegt bei 203,9 Millionen Euro, der Fehlbetrag wurde stärker als geplant gesenkt. Gleichzeitig steht ein Jahresfehlbetrag von 86,1 Millionen Euro in den Büchern. Der Weg zur vollen Profitabilität ist beschritten, aber noch nicht abgeschlossen. Wie schnell er zurückgelegt wird, hängt von Faktoren ab, die zu einem guten Teil außerhalb der Kontrolle der FBB liegen, von der globalen Luftverkehrsnachfrage bis zu den strukturellen Herausforderungen der Branche, auf die Aletta von Massenbach ausdrücklich hinweist.
Häufige Fragen zum BER-Geschäftsbericht 2025
Was bedeutet EBITDA und warum ist es für einen Flughafen relevant?
EBITDA steht für Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation and Amortization, also den Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Die Kennzahl zeigt, wie ertragreich das operative Kerngeschäft eines Unternehmens läuft, unabhängig von Finanzierungsstruktur und bilanziellen Abschreibungslasten. Für einen Flughafen wie den BER, der hohe historische Schulden aus der Bauphase trägt, ist ein positives EBITDA ein wichtiges Signal für operative Gesundheit. Im Jahr 2025 erzielte der BER ein EBITDA von 203,9 Millionen Euro.
Was ist der Teilentschuldungsplan der FBB und wann wurde er vereinbart?
Der Teilentschuldungsplan ist ein 2021 zwischen der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB) und ihren öffentlichen Gesellschaftern, Land Berlin, Land Brandenburg und Bundesrepublik Deutschland, vereinbartes Sanierungsprogramm. Ziel war die planmäßige Reduktion der aufgelaufenen Verbindlichkeiten, die durch die jahrelangen Bauzeitverzögerungen des BER entstanden waren. Das Programm sah gezielte Kapitalzuführungen und Refinanzierungsschritte vor und wurde im Februar 2026 planmäßig abgeschlossen.
Ist der BER nach dem Abschluss des Refinanzierungspakets schuldenfrei?
Nein. Die finanzielle Selbstständigkeit bedeutet nicht Schuldenfreiheit, sondern dass die FBB ihre Verbindlichkeiten künftig ohne Bürgschaften der Gesellschafter bedienen kann. Das im November 2025 abgeschlossene Refinanzierungspaket umfasste 1,2 Milliarden Euro an Kreditverbindlichkeiten. Die FBB steht weiterhin in der Pflicht zur Schuldenbedienung, tut dies aber aus eigener Kraft am Kapitalmarkt.
Wie viele Passagiere nutzten den BER im Jahr 2025?
Im Geschäftsjahr 2025 reisten 26,1 Millionen Fluggäste über den Flughafen Berlin Brandenburg (BER). Das entspricht einem Anstieg von 2,3 Prozent gegenüber dem Jahr 2024. Gleichzeitig gab es rund 193.000 Flugbewegungen, ein Plus von 0,7 Prozent, was auf eine gestiegene durchschnittliche Auslastung je Flug hindeutet.
Warum wurde die maximale Gesellschafter-Kapitalzuführung nicht vollständig ausgeschöpft?
Die Gesellschafter hatten ursprünglich bis zu 660 Millionen Euro als Kapitalzuführung zugesichert. Tatsächlich wurden im Februar 2026 nur 500 Millionen Euro abgerufen, da die FBB durch das erfolgreiche Refinanzierungspaket vom November 2025 in Höhe von 1,2 Milliarden Euro und die Erlösentwicklung weniger Eigenkapital benötigte als ursprünglich kalkuliert. Das nicht ausgeschöpfte Restvolumen von bis zu 160 Millionen Euro ist ein Zeichen für eine günstigere Entwicklung als erwartet.
Stand: Juni 2026
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