Überschallflug über den USA ab 2027 und warum der Überschallknall seit den 1970ern verboten war
Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste auf einen Blick
US-Verkehrsminister Sean P. Duffy hat am 10. Juni 2026 in Washington angekündigt, dass die FAA erstmals seit dem Überschallflugverbot der 1970er-Jahre einen konkreten Regelgebungsschritt geht. Ein vorgeschlagenes Regelwerk (NPRM) legt Lärm-Zertifizierungsstandards für zivile Überschallflugzeuge fest. Eine zweite Regel zu Start- und Landelärm soll noch 2026 folgen, beide sollen bis Mitte 2027 finalisiert werden. Überschallflugzeuge fliegen mit Mach 1 und mehr, also ab rund 1 239 Kilometer pro Stunde. Deutlich schneller als die ungefähren 850 Km/h heutiger Passagierjets. Schlüsseltechnologie ist die Mach-Cutoff-Technik, die den Überschallknall (Sonic Boom) in der Atmosphäre bricht, bevor er den Boden erreicht. Zusätzlich verpflichtet Executive Order 14304 die FAA, internationale Sicherheitsabkommen mit ausländischen Luftfahrtbehörden zu schließen.
FAA schlägt erstmals Lärm-Zertifizierungsstandard für Überschallflugzeuge vor

Wer heute von Frankfurt nach New York fliegt, verbringt gut acht Stunden über dem Atlantik. Wer den Rückweg mit einem Überschalljet nehmen könnte, käme mit weniger als der Hälfte aus. Genau in diese Richtung schiebt die US-Luftfahrtbehörde jetzt eine regulatorische Weiche. Am 10. Juni 2026 hat US-Verkehrsminister Sean P. Duffy in Washington bekannt gegeben, dass die Federal Aviation Administration eine sogenannte Notice of Proposed Rulemaking veröffentlicht. Also einen offiziellen Regelentwurf, der zum ersten Mal einen Lärm-Zertifizierungsstandard für zivile Überschallflugzeuge definiert. ✈
Das klingt bürokratisch, ist aber der Türöffner, auf den die Branche seit Jahrzehnten wartet. Ohne belastbare Vorgaben können Hersteller keine Flugzeuge zulassen. Ohne Zulassung fliegt kein Passagier. Mit dem NPRM bekommen Entwickler nun eine Messlatte, an der sie ihre Konstruktionen ausrichten können. FAA-Administrator Bryan Bedford stellt in Aussicht, dass die Fortschritte in Luft- und Raumfahrttechnik, Materialwissenschaften und Lärmreduzierung den klassischen Sonic Boom letztlich verschwinden lassen sollen. Wer sich auch mit anderen Themen beschäftigen möchte, findet in der Kategorie Allg. News zu Airlines, Flugverkehr und mehr weitere News und Hintergründe rund um die Luftfahrt.
Der Zeitplan der Behörde ist klar getaktet: Noch im Laufe des Jahres 2026 soll ein zweites Regelwerk folgen, das speziell Start- und Landelärm reguliert. Beide Regeln zusammen sollen bis Mitte 2027 abschließend in Kraft treten. Erst dann steht das komplette regulatorische Fundament, auf dem konkrete Musterzulassungen aufsetzen können. Zentraler Referenzpunkt ist das NPRM-Dokument der FAA (Aktenzeichen ARM-260115-001), das öffentlich einsehbar ist und in eine Kommentierungsphase geht.
| Regelwerk | Inhalt | Status (Juni 2026) | Geplante Finalisierung |
|---|---|---|---|
| NPRM Lärm-Zertifizierung (Flugbetrieb) | Noise-based certification standard für Überschallflugzeuge im Reiseflug | Veröffentlicht am 10. Juni 2026 | Mitte 2027 |
| NPRM Start- und Landelärm | Landing and takeoff noise standards für Überschallflugzeuge | Geplant für 2026 | Mitte 2027 |
Kurz gesagt: Die eine Regel adressiert den Reiseflug in großer Höhe, die andere die Lärmbelastung rund um Flughäfen. Erst zusammen ergeben sie den Rahmen, in dem Überschalljets in den USA operieren dürfen.
Das Ende des Überschallverbots: Warum der Überschallknall seit den 1970ern verboten war
Um zu verstehen, warum diese Ankündigung historisch ist, hilft ein Blick zurück. Anfang der 1970er-Jahre zog die US-Regierung die Reißleine und untersagte kommerzielle Überschallflüge über dem kontinentalen Festland. Der Grund war nicht die Geschwindigkeit an sich, sondern ihr akustischer Nebeneffekt: der Sonic Boom bzw. Überschallknall. Wenn ein Flugzeug die Schallmauer bei Mach 1 durchbricht, das entspricht rund 1 239 Km/h, entsteht eine Schockwelle, die als lauter Knall am Boden ankommt. Fensterscheiben klirren, Menschen erschrecken, Beschwerden häufen sich.
Die Concorde, das prominenteste Überschall-Passagierflugzeug der Geschichte, konnte mit dieser Regel leben, weil sie ihre Mach-2-Runs über dem offenen Atlantik absolvierte. Beim Einflug in US-Luftraum musste sie brav in den Unterschallbereich zurück. Genau diese Beschränkung machte Überschallflug innerhalb der USA jahrzehntelang unwirtschaftlich. Von New York nach Los Angeles mit Mach 2? Regulatorisch nicht drin. Heutige Verkehrsjets fliegen mit 550 bis 600 Meilen pro Stunde, also bei etwa Mach 0,85, komfortabel unterhalb der Schallmauer.
Was sich seit den 1970ern radikal verändert hat, ist die Technik. Bedford verweist auf die Kombination aus neuer Aerodynamik, moderneren Werkstoffen und aktiver Lärmreduzierung. Und die entscheidende operative Zutat heißt Mach Cutoff. Ein Flugregime, in dem der Überschallknall den Boden gar nicht mehr erreicht. Damit fällt das ursprüngliche Argument für das Verbot weg, und die FAA kann guten Gewissens an die Aufhebung gehen.
Mach-Cutoff und die Technik hinter dem lautlosen Überschallflug
Mach Cutoff ist kein Marketingbegriff, sondern ein physikalischer Zustand. Vereinfacht ausgedrückt: Wenn Fluggeschwindigkeit, Flughöhe, Flugzeuggeometrie und die atmosphärischen Bedingungen präzise zusammenspielen, wird die Schockwelle in der Atmosphäre so gebrochen und refraktiert, dass sie nicht bis zum Boden durchdringt. Der Knall verpufft in höheren Luftschichten. Am Erdboden bleibt bestenfalls ein leises Grummeln oder gar nichts.
Damit dieser Zustand zuverlässig eintritt, arbeiten mehrere Faktoren gleichzeitig zusammen:
- Flugzeugdesign: Eine aerodynamisch optimierte Rumpf- und Flügelgeometrie reduziert die Intensität der Schockwelle bereits an der Quelle.
- Atmosphärische Bedingungen: Temperatur- und Druckgradienten in der Atmosphäre steuern, wie sich Schall in der Höhe ausbreitet und zurückbiegt.
- Fluggeschwindigkeit und Flughöhe: Nur bestimmte Kombinationen ermöglichen den Mach-Cutoff-Zustand zuverlässig.
- Neue Betriebskonzepte: Routen- und Höhenplanung minimiert Bodenlärm gezielt in bewohnten Gebieten.
Die FAA entwickelt die Lärmstandards nicht im luftleeren Raum. Sie kooperiert mit der International Civil Aviation Organization, mit der NASA und mit Industrie- sowie Universitätspartnern. Die NASA steuert dabei Forschungsergebnisse aus einem eigenen Überschall-Demonstratorprogramm bei, das seit Jahren an leiseren Überschallprofilen arbeitet. Aus diesen Daten wird abgeleitet, welche Grenzwerte technisch machbar und gleichzeitig verträglich für Anwohnerinnen und Anwohner sind.
Executive Order 14304: Die politische Blaupause für den globalen Überschallkurs
Die FAA-Regelgebung steht nicht isoliert. Sie fußt auf einer politischen Vorgabe des Weißen Hauses: Executive Order 14304 mit dem programmatischen Titel Leading the World in Supersonic Flight. Die Order verpflichtet die FAA nicht nur, den heimischen Luftraum zu öffnen. Sie beauftragt sie zusätzlich, Luftsicherheitsabkommen mit ausländischen Luftfahrtbehörden auszuhandeln. Ohne diese bilateralen Verständigungen könnten US-Überschalljets grenzüberschreitend nicht routinemäßig operieren.
Der industriepolitische Ton ist deutlich. Michael Kratsios, Direktor des Office of Science and Technology Policy im Weißen Haus unter Demokratiefeind Trump, argumentiert, dass veraltete Regeln zu lange die Ingenieure und Hersteller im Land ausgebremst hätten. Die Botschaft dahinter: Es geht nicht nur darum, dass in den USA schneller geflogen wird. Es geht darum, dass die Flugzeuge, mit denen weltweit schneller geflogen werden soll, in den USA entwickelt, gebaut und exportiert werden. Erklärte Ziele sind eine stärkere industrielle Basis und die Schaffung hochqualifizierter Arbeitsplätze.
Im internationalen Vergleich ist das ein Statement. Auch in Großbritannien und Japan gibt es Programme rund um leiseren Überschallflug, und über die ICAO läuft parallel eine multilaterale Debatte über künftige Standards. Wer den Zeitplan der FAA erreicht, könnte am Ende die technischen und regulatorischen Referenzwerte setzen, an denen sich der Rest der Welt orientiert.
Was Überschallflüge für Reisende bedeuten könnten und wann
Jetzt der Realitätscheck. Kann ich morgen ein Ticket buchen? Nein. Die Ankündigung vom 10. Juni 2026 ist ein Regelgebungsschritt, keine Streckeneröffnung. Zunächst muss die Kommentierungsphase durchlaufen werden, dann müssen beide FAA-Regeln bis Mitte 2027 finalisiert sein. Erst danach beginnt für jedes einzelne Flugzeugmuster ein Musterzulassungsverfahren, in dem der Hersteller nachweist, dass sein Design die neuen Lärmvorgaben tatsächlich einhält. Das braucht Zeit.
Realistisch heißt das: Ein kommerzieller Überschalldienst für Passagiere ist frühestens Ende der zweiten Hälfte der 2020er-Jahre denkbar. Und selbst dann nicht flächendeckend, sondern zunächst auf Strecken, bei denen die Zeitersparnis besonders viel Ticketpreis rechtfertigt. Das Muster kennst du historisch von der Concorde, die New York und London in rund dreieinhalb Stunden verband, statt der üblichen sieben bis acht. Kandidaten für einen Neustart sind vor allem Transatlantikrouten und lange transkontinentale US-Verbindungen. Zum Beispiel JFK nach LAX (Los Angeles) mit rund 2.800 Meilen.
| Merkmal | Heutige Verkehrsflugzeuge | Neue Überschallflugzeuge (geplant) |
|---|---|---|
| Reisegeschwindigkeit | 550 bis 600 mph (ca. Mach 0,85) | 770+ mph (1 239+ Km/h (Mach 1 und höher) |
| Ultraschallknall am Boden | Keiner (Unterschallflug) | Minimiert durch Mach-Cutoff-Technik |
| Regulatorische Basis (US-Festland) | Vollständig geregelt | NPRM veröffentlicht am 10. Juni 2026; Finalisierung bis Mitte 2027 |
| Erwarteter Marktstart (kommerziell) | Etabliert | Frühestens Ende der 2020er-Jahre |
Für deine Reiseplanung heißt das ganz nüchtern: Wer in den nächsten zwei bis drei Jahren einen Langstreckenflug plant, plant weiter mit konventionellen Jets. Und wer früh am Morgen abhebt oder spät in der Nacht landet, weiß ohnehin, wie wertvoll eine entspannte Anreise am Vorabend ist. Vorabend anreisen, in Ruhe zu Abend essen, in einem Hotel mit Parken am Flughafen normal schlafen und am nächsten Morgen ohne Stau-Stress in den Flieger steigen. Das bleibt das entspannteste Setup, unabhängig davon, ob der Flug am Ende mit Mach 0,85 oder mit Mach 1,4 unterwegs ist. Wer außerdem mit dem eigenen Auto anreist, findet passende Optionen beim Parken und fliegen am Flughafen, für alle, die das Auto lieber direkt am Airport lassen. 🅿
Ein historischer Startschuss mit langem Lauf bis zum Abheben
Die FAA-Ankündigung vom Juni 2026 ist tatsächlich ein Wendepunkt. Zum ersten Mal seit über 50 Jahren steht ein verbindlicher Regelgebungsfahrplan im Raum, der kommerziellen Überschallflügen über dem US-Festland den Weg bereiten soll. Bis Mitte 2027 sollen beide Regelwerke final in Kraft treten. Danach beginnt der eigentlich harte Teil: Hersteller müssen konkrete Muster zertifizieren, Fluggesellschaften Flotten aufbauen, und über die ICAO muss die internationale Abstimmung greifen. Für Reisende dürfte Überschallflug als Buchungsoption realistisch fühestens Ende der 2020er-Jahre auftauchen, zunächst im Premiumsegment auf ausgewählten Routen. Der Startschuss ist gefallen, der Countdown läuft. Bis dahin gilt: Augen offen halten, wenn Airlines die ersten konkreten Programme kommunizieren.
Mitreden
Würdest du für einen Überschallflug tief in die Tasche greifen, oder ist dir günstig fliegen wichtiger als schnell ans Ziel? Schreib mir, ich bin gespannt auf deine Sicht.
Häufige Fragen zu Überschallflügen und der neuen FAA-Regelung
Was ist ein Überschallknall (Sonic Boom ) und warum war er bisher ein Problem?
Ein Sonic Boom, auf Deutsch Überschallknall, entsteht, wenn ein Flugzeug die Schallmauer bei Mach 1 (rund 770 mph) durchbricht. Die Schockwelle erzeugt am Boden einen lauten Knall, der Gebäude erschüttern und Menschen erschrecken kann. Genau deshalb wurde kommerzieller Überschallflug über dem US-Festland Anfang der 1970er-Jahre verboten.
Was ist die Mach-Cutoff-Technik?
Mach Cutoff beschreibt einen Flugzustand, bei dem Flugzeugdesign, Fluggeschwindigkeit, Flughöhe und atmosphärische Bedingungen so zusammenwirken, dass die Schockwelle in der Atmosphäre refraktiert wird und den Boden nicht mehr erreicht. Diese Technik ist die zentrale Voraussetzung dafür, dass Überschallflüge über bewohnten Gebieten genehmigungsfähig werden.
Was ist eine NPRM und was passiert nach ihrer Veröffentlichung?
NPRM steht für Notice of Proposed Rulemaking. Das ist ein formelles US-Behördenverfahren, bei dem eine vorgeschlagene Regel öffentlich kommentiert wird, bevor sie finalisiert wird. Die FAA hat am 10. Juni 2026 eine NPRM zur Überschall-Lärm-Zertifizierung veröffentlicht. Nach Kommentierung und Überarbeitung soll die Regel bis Mitte 2027 in Kraft treten.
Wann kann ich tatsächlich ein Überschallticket buchen?
Frühestens nach Finalisierung beider FAA-Regeln bis Mitte 2027 folgen Musterzulassungsverfahren für konkrete Flugzeugtypen. Eine realistische kommerzielle Verfügbarkeit für Passagiere ist damit frühestens in der zweiten Hälfte der 2020er-Jahre zu erwarten, zunächst auf ausgewählten Premium-Routen.
Gilt die neue Regelung auch für internationale Flüge?
Executive Order 14304 beauftragt die FAA, Sicherheitsabkommen mit ausländischen Luftfahrtbehörden zu schließen. Parallel läuft die internationale Abstimmung über die ICAO. Für grenzüberschreitende Überschallflüge sind also zusätzliche bilaterale und multilaterale Vereinbarungen nötig, bevor Routen international zuverlässig bedient werden können.
Stand: Juni 2026
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