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Digitale Fluggastabfertigung: Was der neue Gesetzentwurf für Flugreisende bedeutet

Veröffentlicht am: Ralf Zmölnig CEO u. CvD Park-Sleep-Fly
Justitia-Statue mit verbundenen Augen und Waage als Symbol für Recht und Gesetz
Justitia mit Waage als Symbol für Recht und Gerechtigkeit.

Das Bundesministerium für Verkehr hat einen Gesetzentwurf zur Digitalisierung der Fluggastabfertigung vorgelegt, der Änderungen im Luftverkehrsgesetz, im Passgesetz und im Personalausweisgesetz vorsieht. Der Verband Internet Reisevertrieb e. V. (VIR) begrüßt die Stoßrichtung des Entwurfs, sieht jedoch erheblichen Nachbesserungsbedarf: Die geplante Kiosk-Lösung am Flughafen wird als Übergangslösung bewertet, während die technologisch zukunftsweisende European Digital Identity Wallet (EUDI Wallet) im Entwurf bislang vollständig fehlt. Für Flugreisende bedeutet das: mehr Komfort ist in Sicht, eine echte Zeitersparnis beim Check-in jedoch noch nicht.

Gesetzentwurf zur digitalen Fluggastabfertigung: Ziele und gesetzlicher Rahmen

Das Bundesministerium für Verkehr hat im Rahmen einer Verbändebeteiligung einen Entwurf zur Digitalisierung der Fluggastabfertigung vorgelegt. Der Entwurf sieht Änderungen in drei zentralen Gesetzen vor: im Luftverkehrsgesetz (§ 19e LuftVG-E), im Passgesetz (§ 18 Abs. 5 PassG-E) sowie im Personalausweisgesetz (§ 20 Abs. 4a PAuswG-E). Ziel ist es, Identitäts- und Dokumentenprüfungen an deutschen Flughäfen digital und automatisiert durchführen zu können — auf freiwilliger Basis für Passagiere.

Besonders positiv hervorzuheben sind zwei Grundprinzipien des Entwurfs:

  • ✅ Die Nutzung ist freiwillig — niemand wird zur digitalen Abfertigung verpflichtet.
  • ✅ Die Datenverarbeitung wird auf das erforderliche Minimum beschränkt.

Dennoch sieht der Verband Internet Reisevertrieb e. V. (VIR) in seiner offiziellen Stellungnahme sowohl konzeptionelle Lücken als auch praktische Risiken, die einer echten Modernisierung der Reisekette im Weg stehen könnten.

So sieht die digitale Abfertigung an modernen deutschen Flughäfen heute bereits aus

An modernen deutschen Flughäfen wie München ist die Abfertigung von Flugreisenden heute bereits zu weiten Teilen digitalisiert. Ein typischer Reiseablauf aus Sicht von Passagieren sieht folgendermaßen aus:

  • 🖥️ Check-in erfolgt vorab online direkt bei der Airline
  • 📱 Das Boarding-Pass-Ticket wird im Wallet des Smartphones gespeichert
  • 🧳 Gepäckabgabe am Automaten durch kurzes Scannen des digitalen Tickets
  • 🔍 Zugang zur Sicherheitskontrolle per Ticket-Scan
  • ✈️ Boarding am Gate durch erneutes Scannen des digitalen Tickets

Die wesentlichen Wartezeiten entstehen dabei nicht bei der Identitäts- oder Ticketkontrolle, sondern vor allem im Bereich der Sicherheitskontrolle — insbesondere bei der Überprüfung des Handgepäcks. Genau dieser Bereich wird durch den vorliegenden Gesetzentwurf nicht adressiert.

Komfortgewinn statt Zeitgewinn: Der realistische Mehrwert für Passagiere

Der Verband Internet Reisevertrieb e. V. (VIR) kommt in seiner Analyse zu einem differenzierten Urteil über den praktischen Nutzen des Gesetzentwurfs für Flugreisende. Der zentrale Befund: Der Mehrwert liegt nicht in einer signifikanten Zeitersparnis, sondern in einem Komfortgewinn.

Ein biometrischer Abfertigungsprozess kann insbesondere dort spürbare Vorteile bringen, wo physische Interaktionen entfallen — zum Beispiel das wiederholte Herausnehmen und Scannen eines mobilen Tickets am Gate oder an der Gepäckabgabe. Das entspricht den Erwartungen einer zunehmend digital geprägten Reisegesellschaft.

Gleichzeitig erzeugt der im Entwurf vorgesehene Kiosk-basierte Registrierungsprozess am Flughafen einen zusätzlichen Prozessschritt, der seinerseits neue Wartesituationen entstehen lassen kann — und damit den erwarteten Komfortgewinn teilweise wieder zunichte macht.

Der Kiosk-Ansatz: Wie die geplante Registrierung in der Praxis funktionieren soll

Der Gesetzentwurf sieht einen vorgelagerten Identifizierungsprozess am Flughafen vor. Konkret müssen Flugreisende dabei folgende Schritte durchlaufen:

  1. Ausweis oder Reisepass am Kiosk auslesen lassen
  2. Biometrische Aufnahme (Gesichtsbild) erstellen
  3. Einwilligung in die Datenverarbeitung erteilen
  4. Verknüpfung mit dem bestehenden Buchungs- und Abfertigungssystem

Ein wesentliches Detail, das insbesondere Vielflieger betrifft: Die biometrischen Daten werden gemäß Entwurf nach jedem Flug gelöscht — spätestens drei Stunden nach dem Abflug des Passagiers. Das bedeutet, dass der vollständige Registrierungsprozess bei jeder einzelnen Reise erneut durchlaufen werden muss. Eine nachhaltige Komfortverbesserung durch Wiederverwendung gespeicherter Daten ist damit systembedingt ausgeschlossen.

KriteriumAktueller digitaler ProzessGeplanter Kiosk-Prozess
Zeitpunkt der IdentitätsprüfungAm Gate / SicherheitskontrolleZusätzlicher Schritt am Kiosk vorab
Wiederverwendbarkeit der DatenTicket/App bleibt gespeichertDatenlöschung nach jedem Flug
Komfort für VielfliegerHoch (einmalige App-Einrichtung)Gering (Neuregistrierung bei jeder Reise)
Zeitersparnis an der SicherheitskontrolleKeine ÄnderungKeine Änderung
FreiwilligkeitJaJa

Der geplante Kiosk-Prozess schafft einen zusätzlichen Schritt am Flughafen, ohne die eigentlichen Wartezeiten an der Sicherheitskontrolle zu reduzieren — und bietet Vielfliegern durch die Datenlöschung nach jedem Flug keinen nachhaltigen Komfortvorteil.

Die EUDI Wallet fehlt im Entwurf: Eine konzeptionelle Lücke mit Folgen

Der Verband Internet Reisevertrieb e. V. (VIR) identifiziert in seiner Stellungnahme eine wesentliche konzeptionelle Lücke im Gesetzentwurf: Die European Digital Identity Wallet (EUDI Wallet) auf Basis von eIDAS 2.0 — seit 2024 auf europäischer Ebene eingeführt und perspektivisch die zentrale Grundlage digitaler Identitätsprozesse — wird im Entwurf vollständig ignoriert. Die Zeithorizonte beider Regelwerke überschneiden sich dabei unmittelbar.

Grundproblem: Identitätsprüfung am Flughafen statt im Buchungsprozess

Der Gesetzentwurf des Bundesministeriums für Verkehr setzt auf ein identitätsbasiertes Kiosk-Modell am Flughafen — also auf eine Erhebung der Identität vor Ort. Die technologische Entwicklung bewegt sich jedoch klar in eine andere Richtung: Identitäten werden künftig bereits im Buchungsprozess digital bereitgestellt. Dies ist ein grundlegender Unterschied in der Systemlogik, der weitreichende Konsequenzen für Nutzerfreundlichkeit und Skalierbarkeit hat.

Was die EUDI Wallet für Flugreisende ermöglichen würde

Die European Digital Identity Wallet (EUDI Wallet) auf Basis von eIDAS 2.0 würde einen grundlegend anderen und effizienteren Ansatz für die Fluggastabfertigung ermöglichen: 🌍

  • Identitätsverifikation bereits im Buchungsprozess — durch einmalige Freigabe seitens des Reisenden
  • Automatische Übertragung der Identitätsdaten bei jeder neuen Buchung (mit ausdrücklicher Nutzerfreigabe)
  • Kein zusätzlicher Registrierungsprozess am Flughafen notwendig
  • Nahtlose Integration in bestehende digitale Buchungs- und Serviceprozesse
  • Wiederverwendbarkeit der Identitätsdaten — besonders vorteilhaft für Vielflieger
  • Höhere Nutzerakzeptanz durch vertraute digitale Infrastruktur
  • Verbesserte Barrierefreiheit für alle Reisenden

Das Resultat: Der Flughafen wird vom Ort der Identitätsprüfung zum bloßen Durchlaufpunkt eines bereits validierten, vollständig digitalen Prozesses — eine deutliche Qualitätssteigerung gegenüber dem aktuellen Kiosk-Ansatz.

Kiosk-Ansatz als Zwischenstufe: Sinnvoll, aber nicht das Zielbild

Der Verband Internet Reisevertrieb e. V. (VIR) erkennt an, dass der Kiosk-Ansatz als Übergangslösung durchaus sinnvoll sein kann. Ausweisdokumente sind flächendeckend verfügbar, der Einstieg in digitale Abfertigungsprozesse wird ermöglicht und die notwendige Infrastruktur an Flughäfen wird aufgebaut. Dennoch ist die Einschätzung des VIR eindeutig: Dieser Ansatz ist eine Zwischenstufe, kein Zielbild einer modernen, durchgängig digitalen Reisekette.

AspektKiosk-Modell (Gesetzentwurf)EUDI Wallet (eIDAS 2.0)
Zeitpunkt der IdentitätserfassungAm Flughafen (Kiosk)Im Buchungsprozess (zu Hause)
WiederverwendbarkeitKeine (Löschung nach jedem Flug)Ja (mit Nutzerfreigabe)
Europäische KompatibilitätNicht adressiertVollständig integriert
Nutzerakzeptanz (Prognose)Gering (zusätzlicher Schritt)Hoch (vertraute Infrastruktur)
SkalierbarkeitBegrenztHoch
BarrierefreiheitEingeschränktVerbessert

Die EUDI Wallet auf Basis von eIDAS 2.0 bietet in nahezu allen relevanten Dimensionen deutliche Vorteile gegenüber dem aktuellen Kiosk-Modell — ihre Nichtberücksichtigung im Gesetzentwurf ist eine zentrale Schwachstelle.

Die Empfehlungen des VIR: So sollte der Gesetzentwurf nachgebessert werden

Der Verband Internet Reisevertrieb e. V. (VIR) richtet konkrete Empfehlungen an das Bundesministerium für Verkehr, um den Gesetzentwurf zukunftsfähig zu gestalten:

  • 📋 Den Gesetzentwurf explizit auf Kompatibilität mit eIDAS 2.0 / EUDI Wallet ausrichten
  • Den Prozessstart perspektivisch vom Flughafen in den Buchungsprozess verlagern
  • Den Gesetzestext technologieneutral ausgestalten — sodass sowohl eine Identitätsprüfung am Flughafen als auch eine vorgelagerte digitale Identitätsübertragung möglich sind
  • Etablierte Technologieanbieter und Plattformen mit Erfahrung in integrierten Buchungs- und Abfertigungssystemen frühzeitig in den Gesetzgebungsprozess einzubeziehen

Als konkretes Beispiel für relevante Technologieexpertise nennt der VIR die Amadeus IT Group — einen weltweit tätigen Anbieter, dessen Systeme von zahlreichen Fluggesellschaften genutzt werden und bereits heute weitreichende digitale Prozesse inklusive Self-Service- und Kiosklösungen unterstützen. Solche internationalen Implementierungserfahrungen könnten wertvolle Impulse für die Weiterentwicklung des deutschen Ansatzes liefern — insbesondere hinsichtlich Skalierbarkeit, Nutzerakzeptanz und Systemintegration entlang der gesamten Reisekette.

Das übergeordnete Ziel des VIR: Deutschland sollte keine Zwischenlösung regulatorisch verfestigen, sondern direkt auf europäisch anschlussfähige Zielarchitekturen setzen.

Parkplatz und Hotel am Flughafen digital buchen

Während die digitale Fluggastabfertigung an deutschen Flughäfen noch in der Entwicklung steckt, gibt es einen Bereich, in dem Flugreisende bereits heute von vollständig digitalen und komfortablen Lösungen profitieren können: die Planung der An- und Abreise zum Flughafen. park-sleep-fly.de bietet ein umfangreiches Angebot an Flughafen-Parkplätzen sowie Flughafen-Hotels mit Parkmöglichkeit (Parken und schlafen) an vielen Standorten in Deutschland und Europa — damit Sie entspannt und ohne Stress in Ihren Flug starten können.

Digitale Reisekette: Fazit zum Gesetzentwurf und Ausblick für Flugreisende

Der Gesetzentwurf des Bundesministeriums für Verkehr zur digitalen Fluggastabfertigung setzt ein wichtiges Signal: Die Digitalisierung der Reisekette an deutschen Flughäfen wird politisch vorangetrieben. Die Analyse des Verbands Internet Reisevertrieb e. V. (VIR) zeigt jedoch klar, dass der aktuelle Kiosk-basierte Ansatz allenfalls eine sinnvolle Übergangslösung darstellt — kein Zielbild. Der entscheidende nächste Schritt muss die Integration der European Digital Identity Wallet (EUDI Wallet) auf Basis von eIDAS 2.0 sein, um Flugreisenden eine echte, nahtlose und wiederverwendbare digitale Identitätslösung zu bieten — beginnend bereits im Buchungsprozess, nicht erst am Kiosk im Terminal.

Für Privatreisende und Vielflieger bedeutet das konkret: In naher Zukunft könnte die Identitätsprüfung am Flughafen vollständig entfallen, weil sie bereits beim Buchen des Fluges digital erledigt wurde. Bis es so weit ist, lohnt es sich, alle anderen Aspekte der Reisevorbereitung so komfortabel wie möglich zu gestalten — von der frühzeitigen Online-Buchung bis zur entspannten Anreise mit einem reservierten Parkplatz oder einem Übernachtungsangebot direkt am Flughafen.

FAQ: Fachbegriffe aus dem Artikel erklärt

Was ist die digitale Fluggastabfertigung?

Die digitale Fluggastabfertigung bezeichnet den Prozess, bei dem Check-in, Identitätsprüfung, Gepäckabgabe und Boarding an Flughäfen vollständig oder weitgehend digital und automatisiert ablaufen — ohne physische Dokumente vorlegen oder mit Personal interagieren zu müssen.

Was ist die EUDI Wallet (European Digital Identity Wallet)?

Die EUDI Wallet (European Digital Identity Wallet) ist eine digitale Brieftasche auf Basis der europäischen eIDAS-2.0-Verordnung, die es Bürgerinnen und Bürgern der EU ermöglicht, ihre Identität und offizielle Dokumente sicher digital zu speichern und bei Bedarf — zum Beispiel beim Buchen eines Fluges — mit ausdrücklicher Freigabe automatisch zu übertragen.

Was bedeutet eIDAS 2.0?

eIDAS 2.0 ist die aktualisierte Fassung der europäischen Verordnung über elektronische Identifizierung und Vertrauensdienste (electronic IDentification, Authentication and trust Services), die seit 2024 in Kraft ist und unter anderem die rechtliche Grundlage für die europaweite Einführung der EUDI Wallet schafft.

Was ist der VIR (Verband Internet Reisevertrieb e. V.)?

Der Verband Internet Reisevertrieb e. V. (VIR) ist ein deutscher Branchenverband, der die Interessen von Unternehmen des digitalen Reisevertriebs vertritt und zu reiserelevanten Gesetzgebungsverfahren Stellung nimmt — unter anderem zu Fragen der Digitalisierung in der Luftfahrt.

Was ist das Luftverkehrsgesetz (LuftVG)?

Das Luftverkehrsgesetz (LuftVG) ist das zentrale deutsche Bundesgesetz, das die rechtlichen Rahmenbedingungen für den Luftverkehr in Deutschland regelt — darunter Betrieb von Flugplätzen, Zulassung von Luftfahrzeugen und, durch den neuen § 19e LuftVG-E, künftig auch die digitale Fluggastabfertigung.

Was ist ein Kiosk-basierter Registrierungsprozess am Flughafen?

Ein Kiosk-basierter Registrierungsprozess am Flughafen bezeichnet ein Verfahren, bei dem Passagiere an einem stationären Selbstbedienungsgerät (Kiosk) im Terminal ihren Ausweis einlesen lassen, ein biometrisches Foto aufnehmen und in die Datenverarbeitung einwilligen müssen — als Vorstufe zur digitalen, biometrischen Abfertigung an den nachfolgenden Kontrollpunkten.

Was versteht man unter der digitalen Reisekette?

Die digitale Reisekette bezeichnet die vollständig durchgängige, digitale Abbildung aller Reiseschritte — von der Buchung des Fluges über den Check-in, die Identitätsprüfung, die Gepäckabgabe und die Sicherheitskontrolle bis hin zum Boarding — ohne Medienbrüche oder physische Dokumente.

Was ist Amadeus IT Group?

Die Amadeus IT Group ist ein weltweit tätiger Technologieanbieter für die Reise- und Tourismusbranche, der Systeme für Buchung, Abfertigung und operative Prozesse von Fluggesellschaften, Reisebüros und Flughäfen bereitstellt — und dessen Lösungen bereits heute weitreichende Self-Service- und digitale Abfertigungsprozesse unterstützen.


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